Hufschmiede »Alte Schmiede Reichenberg«
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Das Gebäude der »Alten Schmiede Reichenberg« wurde 1812 errichtet, wovon der Schlussstein über der Eingangstür Zeugnis ablegt. Errichtet wurde es auf dem ehemaligen Dorfanger und durch den Garten führt jetzt kanalisiert der Dorfbach aus dem Oberdorf.
Im Stil des Spätbarocks mit einem Sattelwalmdach und Teilunterkellerung in Bruchsteinmauerwerk läßt das zweistöckige Wohn-und Gewerbehaus etwas von der guten Vermögenslage eines Waffenschmiedemeisters in Kriegszeiten der Napoleonischen Fremdherrschaft erahnen. Auch die Deckenhöhe von 2,30 Metern ist im Vergleich zu den Nachbarhäusern (Zwei Meter Raumhöhe) großzügig bemessen. Die Innenwände in einer Stroh-Holz-Lehmverbundweise sind nichttragend ausgeführt, bieten ein angenehmes Raumklima und erleichtern erheblich Umbaumaßnahmen. Im Erdgeschoss befand sich linksseitig bis Mitte 1960 eine Schmiedewerkstatt und rechts eine Poststelle der kaiserlichen Reichspost, die später als Sattlerei eingerichtet worden ist. Remisen an der Rückseite des Hauses dienten der Materialbevorratung. 2005 wurde an dieser Stelle eine gut eingefügte zweistöckige Wohnerweiterung geschaffen. Wie aus Grundbuchakten zu lesen ist, wurde die Waffenschmiede 1850 an den Hufschmied Trobisch verkauft, dessen Sohn bis zu seinem Tode das Handwerk weiterhin zur vollen Zufriedenheit der Reichenberger Bauern fortsetzte. Bereits früh um 5 Uhr war im Sommer der Hammerschlag auf dem Amboss zu hören, wenn Pflugschare, Hufeisen und Werkzeuge wieder gedengelt worden sind (Schärfen der Werkzeuge und Ausformen der Hufeisen nach Erhitzen im Schmiedefeuer). Vor dem großen Werkstatttor, das auf der Abbildung erkennbar ist, wurden die vom Stellmacher (Werkstatt gegenüber) aus Eichenholz angefertigten Wagenräder mit Eisenringen belegt und die Hufeisen der Pferde fachgerecht gewechselt. Der »Duft« von verschmortem Pferdehuf war in der Nachbarschaft intensiv zu riechen. Es gab aber keine Nachbarschaftsstreitigkeiten diesbezüglich. Nach mehrfachem Besitzerwechsel und Schließung der Werkstatt erwarb meine Familie 1995 das Anwesen und baute annähernd 20 Jahre lang um und an. Im Jahr 2012 begingen wir den 200. Jahrestag der Grundsteinlegung gemeinsam mit unseren Nachbarn und erfuhren viel Interessantes aus der Vergangenheit dieses schönen Hauses. Erwähnenswert und interessant ist, wie ein solches Gebäude mit der Zeit geht und die Bedürfnisse und Ansprüche der jeweiligen Bewohner auch nach 200 Jahren noch erfüllen kann.